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Im Dienste des Transports – 33 Jahre KWO

Vor ca 6 Wochen meldete sich Herr Seidel aufgrund des Artikels in der Zeitung, der nun offensichtlich auch im Lichtenberger Teil abgedruckt wurde und vor 3 Wochen trafen wir uns für ein Interview.

Die Karriere des Hr. Seidel im KWO begann 1963 im Kreise des Generaldirektors des KWO.. Er war mit hauptverantwortlich für den Transport der fertigen Erzeugnisse und konnte dementsprechend umfangreiches Insiderwissen erzählen.

Unter anderem berichtete er wie die Wagons bei der Reichsbahn organisiert wurden, welche festen Zeiten für An-/abholen es gab und einige Anekdoten, die sich in den 33 Jahren zugetragen haben.So erfuhr ich, dass zwar regelmäßig eine gewisse Anzahl Wagons bestellt wurden, aber die DR nicht immer in der Lage war, diese genauso zu liefern und dann einfach andere oder keine und dafür am nächsten Tag mehrere bereitgestellt wurden. Auch konnte er mir das Rangierprozedere bestätigen: Eine Lok des Bullen lieferte den Zug im Ganzen an, die Loks der Werkbahnen rangierten ihre Wagons heraus und auf dem Rückweg ebenso. Die Wagons wurden so beladen, wie der Kunde es bestellt hatte – so seine Antwort auf meine Frage, warum die Wagons oft unterschiedlich „ausgelastet“ beladen wurden.

Zu den Anekdoten gehörte u.a. eine Erzählung über das Beladen eines Kahnes auf der Spree bei dem eine Kabeltrommel so schwer war, dass der EDK 80 vornüber gekippt und der Greifarm samt Kabeltrommel in der Spree versank. Es wurde ein andere Eisenbahdrehkran angefordert, der den EDK 80 wieder aufrichtete. (Frage: weiß jmd. wo in Berlin ein solcher stationiert war, bzw. welcher das sein könnte?)

Über die Fertigung und de transportierten Güter konnte er ebenfalls berichten. Die Fertigung war im Weltstandard qualitativ und preislich einzigartig und so hochwertig, dass „kapitalistische“ Auftraggeber komplette Fertigungslinien im KWO fertigen ließen inkl. Firmenlogos und Transport zum zukünftigen Kunden. Ebenso wurden unglaubliche Mengen an Kabeltrommeln in die SU, teils als Reparation geliefert.

Ebenso konnte er erklären, warum am Hönower Wiesenweg ein Containerterminal entstand – sozusagen, mitten im nichts. Die Antwort war ganz einfach: Es gab ein Terminal an der Frankfurter Allee, dies wurde im Verlauf der Jahre zu klein. Im Gelände des KWO war kein Platz für ein Terminal, also entscheid man sich für diese Lösung. LKW brachten die Container für das KWO von der Frankfurter Allee zum Terminal am Hönower Wiesenweg von dort organisierte man mit einer der Werkloks den Transport zum KWO und umgekehrt. Ein Grund war u.a. die Belieferung anderer Betriebseile des Kombinates mit Material etc. mit Containern.

Nach über 5h intensiven Gespräches kamen wir auch auf das Ende des KWO zu sprechen und so erfuhr ich von der Geschichte der „Fast“ Rettung des KWO durch die AEG, wenn….ja wenn nicht die AEG genau 2 Wochen vor dem Zusammenschluss selbst verkauft worden wäre. Ebenso erzählte er vom Niedergang des ganzen Standortes, dem plötzlichem  Einzug von westdeutschen Besserwissenden Methoden und Ihren Verbreitern, die u.a. dazu führten, dass die Produktion auf die Strasse verlagert wurde – also mit voller Absicht – was dann natürlich erklärt, warum keinerlei Transportleistung für den „Bullen“ mehr bestand.

1996 endete das Berufsleben für Hr. Seidel als einer der letzten Stamm Mitarbeiter im KWO mit dem angebotenem Ruhestand.

Ich wünsche ihm noch viele schöne Jahre und bedanke mich für das wunderbare Gespräch.

Frage an de Leser: Wo war in Berlin ein „stärkerer“ EDK beheimatet und welcher könnte das gewesen sein?

Herr Seidel erinnerte sich an Köpenick – war sich aber nicht sicher.

Pics (C) by Herrn Seidel mit freundlicher Genehmigung

 

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